Thomas Morus als Namensgeber einer Kirchengemeinde in Rostock

In der Katholischen Kirche ist Thomas Morus nicht gerade der bekannteste oder beliebteste Heilige. Wieso kommt es in den 1980er Jahren ausgerechnet in Rostock dazu, dass er Namensgeber einer neuen Kirchengemeinde wird?

Thomas Morus als Märtyer

Die Hinrichtung von Thomas Morus ist besonders tragisch, weil er eines Verbrechens gegen den König angeklagt wurde, dem er jahrelang treu gedient hat und dem er beim Verfassen einer kritischen Schrift gegen die Thesen von Martin Luther geholfen hat, durch welche dieser König europaweiten Respekt erfuhr. Der Papst verlieh Heinrich VIII. den Ehrentitel “Verteidiger des Glaubens” wegen einer Schrift, die maßgeblich von Thomas Morus verfasst wurde. Die Anklage lautete auf Hochverrat, und die Schuld, die Thomas Morus auf sich geladen hatte bestand darin, den König nicht bei der Beugung des Rechts unterstützt zu haben. König Heinrich VIII. verlangte eine Scheidung, die nach Kirchenrecht möglich war, und Thomas Morus sollte dabei helfen. Sein Rückzug von einem Amt, in welches er vom König berufen wurde, um diese Scheidung möglich zu machen war aber aus damaliger Sicht nichts anderes als Hochverrat. Thomas Morus ließ sich lieber hinrichten, als geltendes Recht zu brechen und gegen seine Überzeugung zu handeln.

Heiligsprechung 1935

Die Heiligsprechung von Thomas Morus erfolgte im Jahr 1935, also genau 400 Jahre nach seiner Hinrichtung. Dieser Zeitpunkt wurde jedoch offenkundig vom Papst auch so gewählt, um ein klares Zeichen zu setzen gegen den in Deutschland aufkommenden Nationalsozialismus und die damit verbundenen Konflikte mit der Katholischen Kirche. Verstöße der Regierung unter Hitler gegen die in Deutschland traditionellen Konkordatsvereinbarungen und die zunehmenden Menschenrechtsverletzungen waren beim Heiligen Stuhl in die Kritik geraten und mit der Heiligsprechung eines Märtyrers, der lieber für seine Überzeugung starb, als das Recht zu beugen, konnte die Kirche ein Signal setzen, ohne die Regierung Deutschlands zu sehr zu provozieren. Ähnlich ist auch die Namensgebung der St. Thomas Morus Kirchengemeinde in Rostock in den 1980er Jahren in der DDR zu verstehen.